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Durch Nordnorwegen nach Tromsø


Heute ist ein reiner Fahrtag, Wir fahren zum vierten Mal die Strecke von Andoya runter, um dann ein Stück durchs Festland Kurs auf Tromsø zu nehmen. 7 Stunden dauert die Reise. Die Landschaft ist auch hier grandios, in jedem Ort gibt es Langlaufstadien, nicht umsonst sind die Norweger hier allen anderen weit voraus, es ist absoluter Volkssport

Wir wechseln uns wie immer perfekt ab beim Fahren, jeder darf mal schauen. Bergig ist es immer, und je nach Witterungseinfluß sind die Birkenwälder mal höher oder flacher. So viel Natur!

In Tromsö finden wir leicht unser Hotel und schlendern-bei Regen- durch die kleine, aber nette Innenstadt. Es gibt einige interessante Kneipen und Restaurants, wie immer dürfen Hunde nicht mit rein, und so bringen wir sie für einen kurzen Besuch in der kleinen Craftbierbar ins Auto. Der britischakzentige sehr höfliche Kellner empfiehlt uns Biere, ich nehme natürlich ein IPA.. Also zwei. Drei Biere 0,4 kosten 42 Euro. Wussten wir, will auch nicht meckern, aber that is a house number, wie der Brite sagt.

Essen gehen wollen wir dann nicht, wegen der Hunde, wir holen einen Döner, den wir auf dem Zimmer essen und dann ziemlich schnell angestrengt von der Fahrt einschlafen.


-Heute keine Bilder, deshalb geht es gleich weiter-

Schatzi ist weg

Um 8.30 Uhr geht Tanjas Flieger, zuerst nach Oslo, dann weiter nach München. Wir sind vor dem Wecker wach, weil wir so früh eingeschlafen sind, fahren 10 Minuten zum Flughafen, ich gehe noch mit zum Schalter, um zu helfen, etwaige Sprachbarrieren zu beseitigen. Alles läuft glatt, zuerst Covid-Test mit der App zeigen und dann gibt’s die Tickets. Natürlich sind wir ein wenig wehmütig, wir haben einen tollen Urlaub erlebt, aber wir kommen beide ja auch gut allein zurecht.

Nu isse wech. Zeit, Gedanken zu sortieren.

Ich fahre zur Fähre, die mich auf die Insel Senja bringt, bin in 45 Minuten da. Am Strand können die Hunde ein wenig toben, dann kommt das Schifferl.


Der Fährhafenwartestrand ist dem Vierbeiner genehm.

Ein Muschel- und Korallenstrand. Nix Karibik, arktisches Norwegen!

Abfahrt

Eine nette kleine Fähre. Fähre fahren in Norwegen ist komplett unkompliziert

Ich mag einfach "Möwe sitzt auf Dingen"-Fotos!


Nix sofort bezahlen, das Kennzeichen wird gescannt und man bekommt die Rechnung geschickt.

Auf der Überfahrt erspähe ich schon die Siedlung, wo ich meine Hütte für eine Woche gebucht habe. Mei liegt des schee.


Die grauen Häuser gehören zur Anlage, Pfeil meine hytta


Es zeigt sich ab und zu sogar die Sonne, und die Birkenwälder hier haben schon eine gelbe Herbstfärbung angenommen.

Nach der halben Stunde fahrt gehe ich einkaufen und begebe mich zum Quartier. Es empfängt mich gleich Kristin, die Dame des Hauses, wir ratschen nett. Es ist einfach so angenehm, dass nahezu jeder Skandinavier sehr gut Englisch spricht und man sich wirklich überall perfekt verständigen kann. Kinder, merkt Euch das: Englisch ist wichtig!

Ich hatte ja für meine Auszeit fantasiert, dass ich mit den Hunden auf die schottischen äußeren Hebriden fahre, dort aufs Meer schaue und über das Leben sinniere. Corona hat jetzt aus den Hebriden die norwegische Insel Senja gemacht, aber ich habe hier genau den Platz gefunden, den ich gesucht habe. Ein Wohnwagen ist das Schlafzimmer, davor ist eine Hütte gebaut, wo die Küche, die Dusche und der Wohnbereich ist. Im kippbaren Ledersessel sitze ich da und schaue auf den Fjord. A Draum, wie wir Franken sagen.


Na, ist das ein Empfang? Ist das ein Blick?

Tagesaurora im Fjord

Sind wir jetzt endlich da? Hat das Herumgegurke ein Ende? Ja, Peewee, hat es erstmal :-)


Fast am Ende einer Sackgasse, dahinter kommen nur Berge. Die Anlage beinhaltet einige Häuser für Angler, samt den dazugehörigen Booten.

Ein wirklich bedeutender Wirtschaftszweig in Norwegen sind deutsche Angler. Auch einige andere Nationen kommen freilich hierher, aber die Vermietung von Hütten und Booten gibt es über ganz Norwegen verteilt ganz massiv. Der norwegische Staat hat auch hier sehr strenge Regeln, die auch kontrolliert werden. Wer bei keinem offiziellen Anbieter bucht, darf 10 kg Filet mitnehmen, wer bei einem Anbieter gebucht hat, 20 kg.

Das macht auch Sinn, immer wieder wurden deutsche Angler mit ganzen KÜHLSCHRÄNKEN voll Fischfilet im Auto aufgegriffen. Und man fängt ja viel Fisch hier.

Und wenn man an der Grenze erwischt wird und mehr als das erlaubte hat, kostet das richtig.

Ich habe 2012 selbst so eine Tour gemacht, ich kenne das.

Nun ist es ja so, dass deutsche Angler nicht nur sehr viel Fisch aus Norwegen nach Hause mitnehmen wollen, sie bekommen auch während des Angelns Durst.

Und zwar viel Durst. Stechenden Durst.

Deutsche Angler sind fast immer im Transporter unterwegs, da passt viel Bier rein. Offiziell mitnehmen darf man glaube ich 5 Liter, den Rest müsste man verzollen. Müsste.

Erwischen sie Dich, wird das Bier in den Gulli gekippt und man zahlt Strafe. In Norwegen zahlt man SEHR viel Strafe, wie für alles in Norwegen. Aber STRAFE in Norwegen ist noch viel mehr, glaubt mir.

Wenn man, wie die meisten deutschen Angler das tun, per Fähre nach Norwegen einreist, hat man sehr viele gleichgesinnte Transporterfahrer, meistens dunkel, die natürlich alle bis oben hin voll sind mit Dosenbier. Als Grenzer würde ich ja immer diejenigen Fahrer mit den größten Schweißperlen auf der Stirn rauspicken.

Wir hatten damals den ausgeklügelten Plan, mit einer Vierteltonne österreichischem Dosenbier, kostet kein Pfand, morgens um 5 über Schweden einzureisen, die Grenzer haben da Schichtwechsel, hat auch problemlos geklappt. Ich hoffe, der norwegische Zoll liest nicht mit und alles ist verjährt :-)

Wir hatten auch sämtliche Nahrungsmittel für zwei Wochen dabei. Es gab den Schweinebraten, es gab die Currywurst, der Speiseplan war minutiös vorbereitet.

Auf meine vorsichtige Nachfrage, ob wir denn gedenken würden, frisch gefangenen Fisch zu verzehren, wurde ich müde belächelt.

Sooo in etwa sind deutsche Angler, ohne zu sehr ins Klischee zu verfallen. Anderenorts wahrscheinlich LiegestuhlmitHandtuchreservierer, genau meine Kragenweite meistens.

Die Vermieterin hat auf meine Frage, wo ich denn vom Ufer aus angeln könnte, mir einen Felsen am Rande der Anlage gezeigt, da ginge es ganz gut.

Ich beziehe das Quartier, radele erst mal mit den Hunden los, am Ende der Straße kommt bald ein Strand. Dort gibt es einen sehr sehr guten tollen Stock, den ich ihnen ausgiebig werfe. Ich kann echt schlecht gehen gerade, aber damit sind sie glücklich.

Ich chille kurz und beschließe dann, Angeln zu gehen. Ich packe meine Ausüstung und gehe zu dem von der Vermieterin gezeigten Felsen. An dem weißen Haus vorbei, davor steht ein Berliner Transporter. In Dunkel.

„ÄÄÄÄÄÄÖÖÖÄÄÄHHHHH, ABFLUG!!! DIT IS PRIVAT!!!“ Ein glatzköpfiger, korpulenter Mann steht mit gezückter Bierdose promilliert im Hauseingang. Gut, mit Frisur und Korpulenz kann ich mittlerweile mithalten, aber in punkto Kinderstube steht es jetzt schon 3:0 für mich.

Are you talking to me? ARE YOU TALKING TO ME? Wattn ditte?

Ich antworte in der Muttersprache des Brüllaffen.

„Das könnte man auch freundlicher sagen. Hier steht nirgendwo, dass der Durchgang verboten ist. Die Vermieterin hat mich zu dem Felsen da geschickt.“

„Ach biste Deutscher? Na dann geh durch. Kannste da Fischen“

Aha, so sehen also vermutlich AFD-Wähler aus. Lerne ich auch mal einen kennen, ohne das gewollt zu haben.


-Edit- Hier standen noch ein paar gepfefferte, vorurteilsgeschwängerte, nicht jugendfreie Sätze, die ich wieder rausgenommen habe. Sonst schimpft meine Mutter wieder. Hallo MAMA :-)


Mein Wunsch zu fischen ist größer als der Drang, sich mit einem Vollidioten zu streiten, und so gehe ich kurz auf den Felsen. Hier ist es viel zu flach, um zu fischen, also packe ich nach 20 Würfen wieder meine Sachen. Aus dem Nachbarhaus kommt ein Mitfahrer des Brüllaffen, der mir dann aber sehr nett die Stelle erklärt, wo ich vom Ufer aus angeln kann.

Danke, das ist sehr freundlich. Geht doch auch so.

Abends ziehen die Wolken wieder geballt über den Himmel, aber es gibt Lücken. Und dazwischen sieht man SIE. Sie ist da. Ich lichte ab, was geht, switche zwischen Filmen und Fotos und gehe dann spät in mein Wohnwagenbett, auch mit Meerblick. Alles richtig gemacht.


Hinter Wolken, aber es gibt Lücken!

Nicht viele, aber bisserl halt.

DA ist eine!

DA auch! Mut zur Lücke.

Aber schon auch gemein.

Milchstrasse und Nordlicht

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