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Kleine Inselrundfahrt Senja

Ich beschließe morgens, die nähere Umgebung ein wenig zu erkunden, d.h. den Norden der Insel. Es regnet. Ich fahre einfach die los und biege dann die erste mögliche Straße rechts ab. Ich suche nach Locations ohne Lichtverschmutzung, falls die Nordlichter auftauchen sollten. Über eine Schotterpiste geht es bergauf, ich glaube, die haben hier alle gute Allradautos im Winter. Die Vegetation wird dünner, kleine Seen sind in einem weiten Tal zu sehen. Leider keine Rentiere oder gar Elche, die würde man zwischen den lichten, kleinen Bäumen gut erkennen, aber tagsüber werden die wohl auch in ihren Einständen sein wie unsere Rehe und Hirsche. Nach 3 km geht es wieder bergab, im kleinen Fjord unten stehen die runden Netzkäfige einer Lachsfarm.


Altes Lagerhaus

Immer noch altes Lagerhaus, aber schwarz-weiß

Möwen-Pick


Jaja, die Lachsfarmen... Ökologisch höchst zweifelhaft, Futterreste, mögliche Krankheitserreger und Medikamentenrückstände können aus der Massentierhaltung natürlich problemlos in die Umwelt gelangen, die Käfige schwimmen ja frei im Wasser. Immer wieder entkommen auch gentechnisch veränderte Tiere, die den Bestand der Wildlachse gefährden.

Hier oben dreht sich halt die gesamte Wirtschaftsgrundlage um Fisch, sei es im Meer gefangener, sei es in der Lachsfarm gezüchteter.

Beim nächsten Lachskauf achtet mal bitte drauf, wo er herkommt. Beim amerikanischen Wildlachs z.B. gibt es strenge Fanglimitierungen und -Kontrollen, den würde ich da noch am ehesten empfehlen. Ganz furchtbar wird es bei chilenischem Lachs, die haben dieselben Anlagen im Fjord wie die Norweger, aber noch viel weniger Sorge um irgendwelche Umweltbelange.

Nichtsdestotrotz, hier komme ich nicht direkt ans Wasser, fahren wir weiter. Es geht, diesmal auf befestigter Straße Richtung Husøy, einer Insel im Fjord mit Örtchen drauf. Wieder fahre ich durch vegetationsarmes Bergland mit einigen Seen, es geht auch durch einen 800 Meter langen Tunnel. Wenn man bedenkt, was hier für Aufwand für ein paar hundert Menschen betrieben wurde, einen knapp Kilometer langen Tunnel durch einen Berg zu sprengen oder bohren! Und neenee, wat dat kost, min Jung!

Aber Norwegen ist reich und scheut keine Mühen für seine Einwohner.

Die Insel Husøy erreicht man über einen 200 Meter langen Damm. Sie hat eine Einwohnerdichte von 3000/km2, also so ähnlich wie New York oder Tokio. Das liegt daran, dass Husøy sehr klein ist und rappelvoll mit Häusern. Alles Fischer, einen anderen Erwerbszweig gibt es hier nicht. Der unvergleichliche Charme Husøys springt einen nicht direkt an, liegt teils am Regen, teils daran, dass es halt nur eine Wohninsel ist. Fahren wir weiter.


Husøy im Fjord

Die Kringel sind Lachsfarmen. Die böse Pharmen-Industrie!

In Schwarz-Weiß erschliesst sich das fantastische Wetter noch mehr

Seeadler und Möwe im Größenvergleich

Nochmal, zur Sicherheit

Eiderentinnentrupp

Skitourberg


Die Bergkulisse ist schon gewaltig, ich glaube Skitourengeher können hier im Winter das Paradies finden.

Ich steuere zurück zum Basiscamp. Nachmittags gehe ich fischen, diesmal an den Felsen, die mir der nette Kollege von AFD-Otto empfohlen hat. Von der Straße muß ich 50 m runterkraxeln, teilweise sind die Felsen etwas rutschig und ich habe mit dem operierten Fuß einfach noch einen sehr schlechten Stand. Irgendwie komme ich aber runter.

Ich nehme einen Gummifisch und hier ist das Wasser schon tiefer, könnte was gehen.

Nach dem 8en Wurf bekomme ich einen Biß, das heftige Kopfschlagen lässt einen Dorsch vermuten, und richtig, ein schöner ca. 60er Dorsch kommt zum Vorschein. An der Ostsee wäre das schon ein kapitaler Fisch, hier ist es ein Kleiner. Dennoch genau die richtige Mahlzeitsgröße für mich.


En Torsk


Ich stehe auf einem Felsen ca. 1,5 Meter über dem Wasser, und was ich jetzt mache, verursacht mir immer noch Kopfschütteln. Ich versuche den Fisch, mit der Rute hochzuheben. Die Rute quittiert das mit einem gepflegten Bersten. Wie deppert bist Du eigentlich ? Die Sorge um meinen wackligen Stand hat mich wohl des Verstandes beraubt. Egal, ich hebe den Fisch an der Schnur aus dem Wasser, schlachte ihn fachgerecht und habe nach 10 Minuten meine Mahlzeit aus dem Fjord, wie so oft in Norwegen. Hier gibt es einfach viel mehr Fisch!

Ich filetiere den Dorsch auf der Terrasse und bringe die Abfälle später runter ans Meer. Ich lege sie auf einen Felsen, und zack, sind sofort die Möwen da und kümmern sich um die Entsorgung.

Die Filets lasse ich bis morgen im Kühlschrank ruhen, sie zerfallen dann nicht so leicht wie wenn man sie gleich bräte. Brüte? Brühäte? Keine Ahnung.


Blick von meiner Terasse


Zum Sonnenuntergang fahre ich an den Strand am Ende der Straße. Hier steht ein altes Haus, im Fenster brennt Licht. Das sieht man hier auch tagsüber öfter, dass vor den Häusern eine Lampe brennt. Vielleicht finde ich noch raus, warum das so ist.

Irgendwie wirkt das Haus aber dennoch verlassen, auch wenn der Rasen gemäht ist. Was für eine Geschichte steckt dahinter? Ich weiß es nicht. Vielleicht fällt sie mir selber ein :-)


Das Geisterhaus am Ende der Straße


Am Horizont dämmert es noch, da fängt im Himmel ein leichtes Irisieren an. Ach wie schön! Das Auge tut sich schwer, mit der Kamera sieht man es lila fibrillieren. Es kommen dann natürlich wieder Wolken, aber hey, es geht bisserl was!


Sie fängt an!

Einzelner Strahl

Hello Beauty :-)

Purple Rain

Nur zart, aber sie sind da!

Über den Wolken...

Hinterm Horizont geht´s weiter

Lucy in the sky with Diamonds

Green day

Permanentes Leuchten über meinem Kraffatsoich

Silent green

Man sieht nur kleine Abschnitte, aber man sieht was!

Huhu, bist Du da?


Mit dem grünen Band der Sympathie


An der Hütte bin ich am Wirbeln. Im Süden ist ein dauerleuchtendes grünes Band zu sehen, in allen anderen Richtungen flackern immer wieder einzelne Herde auf, immer unterbrochen von den recht dichten Wolken.


Wolken, Sterne, Aurora. Busch.

Andomedagalaxie mittig Übergang unteres Bilddrittel

meine Hütte mit Aurora

permanetes Band am Horizont

Sterne und Nordlicht. Ein Traum aus einer anderen Welt

Vorhang auf!


Auf der anderen Seite der Bucht stehen zahlreiche Windräder, die nachts rot Blinken. Natürlich muss das sein, ist ökologisch sinnvoll und ich nehme es halt jetzt mal in Kauf, dass Zivilisationszeichen mit drauf sind auf den Bildern.

Immerhin habe ich sie wieder gesehen, die Lady Aurora, mittlerweile weiß ich, dass das auch hier nicht selbstverständlich ist!

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